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.... als man denkt

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Am Busbahnhof haben wir unseren privilegierten Status als weisse Ausländerinnen sogleich eingebüßt. Der Buschauffeur trug Mundschutz und Handschuhe und herrschte uns sogleich an, uns einen solchen zu besorgen. Vorsorglich sprüht er uns schon mal mit Desinfektionsmittel ein: wir sind als Ausländerinnen zur Gefahr geworden. Den Reizhusten, den die Sprayerei verursachte, unterdrückte ich, um weiteres Aufsehen zu vermeiden. Die Möglichkeiten, nach Bogota zu gelangen reduzierten sich im Stundentakt. Niemand konnte zusichern, dass es für den nächsten Tag (Freitag) noch Transportmöglichkeiten geben würde.  Der Abschied aus Barrancabermeja fiel folglich so aus, wie wir ihn hatten vermeiden wollen. Überstürzt. Trotz niedrigen Fallzahlen begannen die regionalen und lokalen Behörden massive Einschränkungen zu verordnen. Zwischendurch meldete sich der Präsident zu Wort und erklärte die Massnahmen für illegal, da einige Entscheidungen ausserhalb der Kompetenz der niedrigen Chargen l...

Erstens kommt es anders.....

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Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Am Sonntag, 14.3. haben Felicitas und ich präventive Maßnahmen gegenüber dem Coronavirus beschlossen und waren einigermaßen stolz darauf, umsichtig zu handeln. Das Virus wurde am 6.3. erstmals in Bogota bei einer Italienreisenden positiv getestet, heute, 19.3. sind 93 Infizierte landesweit dokumentiert.  In Bogota wurden von der Bürgermeisterin Claudia Lopez erste rigorose Maßnahmen ergriffen und die nationale Regierung folgte auf dem Fusse. Möglicherweise war die Reihenfolge umgekehrt, aber Claudia Lopez, ihres Zeichens erste Bürgermeisterin von Bogota, hat bei mir einen Stein im Brett und überhaupt wirkt sie deutlich vifer als die übergeordnete Ebene. Seit  Montag wurden also Schulen und Universitäten geschlossen, Veranstaltungen abgesagt und die Mobilität eingeschränkt....Ihr habt das alles schon hinter Euch. Es war schlagartig vorbei mit den Vorteilen im Alltagleben gegenüber Europa. Es wird vermutet, dass die Regierung zu solchen drastisch...

Regen und andere Phänomene

Sind es die Ventilatoren, die da rauschen oder die nachbarliche Air Conditioning, die, je tiefer die Nacht, desto lauter tönt? Oder ist es- Regen?  Tatsächlich, es regnet in Barranca. Und zwar in Strömen. Ich kann es nicht fassen und springe immer wieder aus dem Bett, um dem Schauspiel zuzusehen. Beim dritten Mal fällt mir ein, dass ich noch irgendwo einen vollen Flachmann habe. Regen! Das war ein grosses Thema in letzter Zeit. Es war staubig draussen auf dem Land und der Wasserstand im Fluss niedrig, die kleinen Nebenflüsse waren gar nicht mehr schiffbar. Die Bohnen sind abgeerntet, die Felder bereit für die Maisaussaat, beides Grundnahrungsmittel. Alles vorbereitet für den Regen. Verkehrte Welt. Was sind das doch für Zeiten, wo die banalen Nachrichten aus Kolumbien kommen und die Schlagzeilen aus Europa, sogar aus der Schweiz. Tatsächlich ist es für mich unvorstellbar, wie sich all' die Pandemie Maßnahmen im Alltag auswirken werden. Irgendwie stehe ich auf der...

Schnelldurchlauf

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Die erste Märzwoche reduzierte sich schliesslich auf Blitzbesuche in El Guayabo/Bella Unión und Buenos Aires/Las Pavas. Die Programmverantwortliche für Sicherheit und Schutz von PAS (unserer kolumbianischen Partnerorganisation), Isaura, nahm die anstehende Schliessung unserer internationalen Begleitung zum Anlass, die Gemeinden zu besuchen und Termine zu koordinieren. Blitzbesuch heisst, viel reisen, wenig schlafen, viel zuhören, wenig Vitamine, viel "tinto". Es ist eindrücklich, zu sehen, was ein Besuch aus Bogota auslösen kann. Isaura wird zur mobilen Briefkastentante, die zur Lebensberatung genauso herhalten muss, wie zur Erörterung von rechtlichen Fragen. Nach zwei Tagen und zwei Nächten auf dem Lande meinte ich bei ihr deutliche Zeichen der Erschöpfung wahrzunehmen. Zu Buenos Aires/Las Pavas ist viel geschrieben worden und der Fall hat  international für Aufsehen gesorgt. Die Kurzversion ist folgende: 1997 wurde die Hacienda Las Pavas vom damaligen Besitzer verlass...

Von Planung und Plänen

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Dieser Tage ist mein Radius ohne Zutun der ELN, stark vermindert. Irgendein Käfer hindert mich daran, mich allzu weit von der Toilette zu entfernen. Wohingegen sie durchaus einen Einfluss hatten, die ELENOS, war auf meine Ferienplanung. Ihr mögt Euch darüber wundern, kaum angekommen schon wieder Ferien? Felicitas, meine Arbeitskollegin, hatte die Möglichkeit, diese Woche jemanden zu begleiten, die zum Thema Minen und Bodenschätze, ihrem Interessensgebiet, arbeitet. Da wir stets zu Zweit arbeiten bzw. begleiten, hatte das automatisch Ferien für mich zur Folge. In den Nationalpark El Cocuy wollte ich reisen und der wurde aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die ELN sollen zwei Parkangestellte ermordet haben. Die angeblichen Täter sind in rekordverdächtiger Zeit verhaftet worden. Das wiederum aktiviert mein Misstrauen. In diesen Dingen ist der kolumbianische Polizei- und Justizapparat in der Regel rekordverdächtig langsam. Wie auch immer: der Park, der wurde geschlossen.  Kolumbien eig...

Wochenende in Barrancabermeja

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Die Chalupa legt ab und nimmt Kurs Richtung Norden, nach Regidor. Was bin ich froh, wieder unterwegs zu sein. Es liegt ein zu ruhiges, langes Wochenende hinter mir. Die Guerilla der "Ejercito de Liberacion Nacional ELN" hatte einen bewaffneten, nationalen Streik angekündigt. Früher hatte das einschneidende Folgen, die Arbeiterviertel in Barrancabermeja wurden durch Straßensperren vom Rest der Stadt abgeschnitten. Spätestens, nachdem der erste Bus oder Taxi angezündet wurde, verwandelte sich Barranca in eine Geisterstadt. Man besorgte sich Lebensmittel für die kommenden Tage und verschanzte sich im Hause. Bei Gefechten habe man sich zusätzlich unter's Bett verkrochen. Es ist mir ein Rätsel, wozu das gut sein soll. Eine Art Totstellreflex möglicherweise. Wahrscheinlich ist es einfach erträglicher, etwas zu tun, als wie gebannt dem Schusswechsel zu zuhören und zu raten, ob er sich entfernt oder sich nähert. Im Jahre 2020 widersprechen sich die Informationen über die milit...

Arbeitsalltag

Ich mag diesen Moment, wenn das Schnellboot, kaum weg vom Steg, die Nase hebt und das Heck ins Wasser drückt. Alle Kraft voraus. Das Wasser sprüht und der Wind kühlt einen auf Normaltemperatur. Dona Maria hat uns letzthin erzählt, dass sich die "Chalupas" auch mal überschlagen und erläutert uns alle Einzelheiten eines tödlichen Unfalls, der sich vor Jahren ereignet hatte. Weiß der Kuckuck, warum sich die ansonsten äußerst liebenswürdigen Kolumbianerinnen dazu berufen fühlen, uns stetig mit Katatrophenmeldungen zu unterhalten. In den ländlichen Gemeinden, da werden wir oft mit Motorrädern durch die Gegend chauffiert. Die Fahrer sind auf diesen ausgetretenen Pfaden äußerst geschickt. Auch da wurde uns erzählt, dass es des öfteren Unfälle geben würde. Es hat sich allerdings harmlos angehört, die Motos würden hin und wieder "umufallen". Jessica, welche mich kürzlich von El Garzal zum Fluss gefahren hatte, erzählte mir gleich auf den ersten Metern, dass sie erst einm...