Wochenende in Barrancabermeja
Die Chalupa legt ab und nimmt Kurs Richtung Norden, nach Regidor. Was bin ich froh, wieder unterwegs zu sein. Es liegt ein zu ruhiges, langes Wochenende hinter mir.
Die Guerilla der "Ejercito de Liberacion Nacional ELN" hatte einen bewaffneten, nationalen Streik angekündigt. Früher hatte das einschneidende Folgen, die Arbeiterviertel in Barrancabermeja wurden durch Straßensperren vom Rest der Stadt abgeschnitten. Spätestens, nachdem der erste Bus oder Taxi angezündet wurde, verwandelte sich Barranca in eine Geisterstadt. Man besorgte sich Lebensmittel für die kommenden Tage und verschanzte sich im Hause. Bei Gefechten habe man sich zusätzlich unter's Bett verkrochen. Es ist mir ein Rätsel, wozu das gut sein soll. Eine Art Totstellreflex möglicherweise. Wahrscheinlich ist es einfach erträglicher, etwas zu tun, als wie gebannt dem Schusswechsel zu zuhören und zu raten, ob er sich entfernt oder sich nähert.
Die Guerilla der "Ejercito de Liberacion Nacional ELN" hatte einen bewaffneten, nationalen Streik angekündigt. Früher hatte das einschneidende Folgen, die Arbeiterviertel in Barrancabermeja wurden durch Straßensperren vom Rest der Stadt abgeschnitten. Spätestens, nachdem der erste Bus oder Taxi angezündet wurde, verwandelte sich Barranca in eine Geisterstadt. Man besorgte sich Lebensmittel für die kommenden Tage und verschanzte sich im Hause. Bei Gefechten habe man sich zusätzlich unter's Bett verkrochen. Es ist mir ein Rätsel, wozu das gut sein soll. Eine Art Totstellreflex möglicherweise. Wahrscheinlich ist es einfach erträglicher, etwas zu tun, als wie gebannt dem Schusswechsel zu zuhören und zu raten, ob er sich entfernt oder sich nähert.
Im Jahre 2020 widersprechen sich die Informationen über die militärische Stärke der Guerilla in Barranca. Sie seien inexistent, zu den paramilitärische Truppen übergelaufen, geflohen oder in mafiösen Strukturen aktiv.
Der Streik war von Fr 14.2.- Mo 17.2.2020 bis morgens 6:00 angekündigt. Der Freitagmorgen beginnt ruhig, kaum Verkehr. Etliche Geschäfte bleiben geschlossen. Man erkundigt sich im Quartier über allfällige Neuigkeiten. Auf der gegenüberliegenden Flussseite in Yondo wurde ein Kleinbus angezündet, sonst nichts. Der Verkehr blieb während der Streiktage stark reduziert, kommt aber nie zum Erliegen. Man blieb vorsichtig.
Was sich aufregend anhört, war langweilig. Wir haben uns an die allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen gehalten und waren wenig ausser Haus. Konkret heisst das: bei mir hat sich so etwas wie Hüttenkoller breitgemacht. Ich empfinde es grundsätzlich als Privileg, hier zu sein und Zeit zu haben, mich mit Land und Leuten zu befassen. Wir verbrachten einige Zeit mit Büroarbeiten: Berichte lesen und erstellen, Notizen ordnen, Bücher wälzen. Aber doch nicht das ganze Wochenende bei 40 Grad im Schatten! Ich hätte gerne ein paar Stunden außerhalb der Stadt in einem Schwimmbad verbracht. Stattdessen: Vernunft walten lassen und sich an die gängigen Regeln halten.
Zeit genug, unser Haus kurz vorzustellen. Es ist schmal, langezogen mit einem kleinen Patio, wo sich ein Waschtrog befindet. Ein Büro, zwei Schlafzimmer, eine Küche. Die Betriebstemperatur des Gebäudes scheint um 35 Grad Celsius zu sein, Luftfeuchtigkeit in der Schimmelgefahrenstufe. Zwei Duschen, bei denen man sich sehr beeilen muss, bevor das heiße Wasser vom Dach die Brause erreicht. An der Decke hängen Ventilatoren, die im Dauereinsatz sind.
Im Schwimmbad hatte ich mir ein laues Lüftchen vorgestellt, wahrscheinlich wären wir mit Vallenato beschallt worden und hätten dazu ein Bier trinken können.
Der Nachbar scheint sich mit dem Hausarrest auch schwer zu tun, er experimentiert mit dem Lautstärkeregler, dass es beinahe die Ventilatoren von der Decke holt. Die Musik, immerhin, die hat sich schon mal eingestellt.
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