Von Planung und Plänen

Dieser Tage ist mein Radius ohne Zutun der ELN, stark vermindert. Irgendein Käfer hindert mich daran, mich allzu weit von der Toilette zu entfernen. Wohingegen sie durchaus einen Einfluss hatten, die ELENOS, war auf meine Ferienplanung. Ihr mögt Euch darüber wundern, kaum angekommen schon wieder Ferien? Felicitas, meine Arbeitskollegin, hatte die Möglichkeit, diese Woche jemanden zu begleiten, die zum Thema Minen und Bodenschätze, ihrem Interessensgebiet, arbeitet. Da wir stets zu Zweit arbeiten bzw. begleiten, hatte das automatisch Ferien für mich zur Folge. In den Nationalpark El Cocuy wollte ich reisen und der wurde aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die ELN sollen zwei Parkangestellte ermordet haben. Die angeblichen Täter sind in rekordverdächtiger Zeit verhaftet worden. Das wiederum aktiviert mein Misstrauen. In diesen Dingen ist der kolumbianische Polizei- und Justizapparat in der Regel rekordverdächtig langsam. Wie auch immer: der Park, der wurde geschlossen. 

Kolumbien eignet sich hervorragend für ungeplante Ferien. Ich wage zu behaupten, dass sich diese Herangehensweise sogar empfiehlt, um sich dem Land und den Menschen anzunähern. Die kolumbianische Lebensweise scheint darin bestehen, das Leben stets neu zu erfinden und mit seinen Unwägbarkeiten kreativ umzugehen. Planung scheint diesem Lebensgefühl zu widersprechen. Das macht Reisen in diesem Land zu etwas Abenteuerlichem. Es fordert von Reisenden, Abstand zu nehmen von der üblichen durchstrukturierten Reiseplanung. Sich einzulassen und darauf zu vertrauen, dass sich für allfällige praktische Probleme stets eine Lösung finden lässt. Faszinierend. Kolumbianer können hervorragend improvisieren und gehen Unvorhergesehenes deutlich gelassener an als unsereins. 
Meine Kurzferien haben sich entsprechend gestaltet. Die planbare Wanderung auf dem alten Wegen von Lengerke fand ich nett. Begeistert hingegen hat mich der Aufstieg aus dem Canon Chicamocha, der nirgends aufgeführt war und auf den mich jemand hingewiesen hatte. 
Meine Rückreiseroute war durch ein heftiges Unwetter unterbrochen worden. Ich ging einfach davon aus, dass ich zu Fuß die kritischen Stellen überwinden und grosse Umwege vermeiden kann. So war es denn auch. Sogar eine Unzahl von Motorradfahrern hatte die Marktlücke bereits entdeckt und boten ihre Transportdienste an.
Die erste Märzwoche hingegen, die ist weniger mit Flow Erlebnissen gespickt. Am Sonntag sah es nach einer übervollen, aber interessanten Arbeitswoche aus. Die Koordinatorin und Direktorin der kolumbianischen Partnerorganisation PAS hatten ihren Besuch angekündigt. Der Montag sah zahlreiche Sitzungen vor. Peacewatch Schweiz wird das Kolumbienprojekt beenden. Felicitas und ich sind die letzten Freiwilligen. Da gibt es einiges zu besprechen und - eigentlich- vorzubereiten. Die angekündigte Sitzung wurde vertagt. Und die spannende Gerichtsverhandlung von heute Dienstagmorgen wurde ausgesetzt, mit der Begründung, dass kein Strom (!?) vorhanden sei. 

Und so kam es, dass ich mich an diesem vermeintlich übervollen Arbeitstag widerwillig Haushaltsarbeiten widmete und im Geiste versucht war, die obige Lobeshymnen über die Kunst der Improvisation dieses Blogs umzuschreiben. 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Arbeitsalltag

Erstens kommt es anders.....