Schnelldurchlauf
Die erste Märzwoche reduzierte sich schliesslich auf Blitzbesuche in El Guayabo/Bella Unión und Buenos Aires/Las Pavas. Die Programmverantwortliche für Sicherheit und Schutz von PAS (unserer kolumbianischen Partnerorganisation), Isaura, nahm die anstehende Schliessung unserer internationalen Begleitung zum Anlass, die Gemeinden zu besuchen und Termine zu koordinieren. Blitzbesuch heisst, viel reisen, wenig schlafen, viel zuhören, wenig Vitamine, viel "tinto".
Es ist eindrücklich, zu sehen, was ein Besuch aus Bogota auslösen kann. Isaura wird zur mobilen Briefkastentante, die zur Lebensberatung genauso herhalten muss, wie zur Erörterung von rechtlichen Fragen. Nach zwei Tagen und zwei Nächten auf dem Lande meinte ich bei ihr deutliche Zeichen der Erschöpfung wahrzunehmen.
Szenenwechsel. Auf dem Rückweg fantasiert der Taxifahrer darüber, wie es wohl wäre, wenn das Coronavirus die politische Elite, allen voran den Präsidenten befallen und dieser folglich für unabsehbare Zeit in die Quarantäne gehen müsste. Es hörte sich amüsant an, aber er ist wütend und braucht sehr deutliche Worte. Er beschreibt, welche Bevölkerungsschicht am meisten betroffen und was das für das kolumbianische Gesundheitssystem bedeuten würde. Man könne nur hoffen, dass das Virus sich auf die "tierra fria" beschränke. Eine Hoffnung, die viel Einheimische haben.
Der Coronavirus ist hier noch kein grosses Thema. Wir kriegen aber selbstverständlich mit, was für Folgen das für Europa, für die Schweiz bis anhin gehabt hat. Beeindruckend.
Es ist eindrücklich, zu sehen, was ein Besuch aus Bogota auslösen kann. Isaura wird zur mobilen Briefkastentante, die zur Lebensberatung genauso herhalten muss, wie zur Erörterung von rechtlichen Fragen. Nach zwei Tagen und zwei Nächten auf dem Lande meinte ich bei ihr deutliche Zeichen der Erschöpfung wahrzunehmen.
Zu Buenos Aires/Las Pavas ist viel geschrieben worden und der Fall hat international für Aufsehen gesorgt. Die Kurzversion ist folgende: 1997 wurde die Hacienda Las Pavas vom damaligen Besitzer verlassen und von 120 Kleinbauernfamilien in Beschlag genommen und bearbeitet. 2003 wurden die Bauern durch paramilitärische Truppen erstmals vertrieben, später sollte dies noch ein zweites Mal geschehen. In der Folge wurde die Kleinbauernorganisation ASOCAB gegründet und die juristische Klärung der Besitzansprüche in die Wege geleitet. Dieser Prozess ist bis heute im Gange. Verlassenes, unbearbeites Land kann unter bestimmten Auflagen denjenigen zugeteilt werden, die das Land effektiv bearbeiten. Zumindest theoretisch. Faktisch ist in Las Pavas ab 2007 noch ein weitere Komplikation aufgetreten: das Land, dessen Besitzfrage ungeklärt ist, wurde von einem Verwandten des ursprünglichen Besitzers, verkauft. (Nein, ich habe mich nicht verschrieben) Die Käuferin war eine Ölpalmenfirma, welche die Besitzansprüche der Kleinbauern nicht nur auf rechtlicher Ebene bekämpft, sondern durch ihren Betriebsleiter und Angestellten zu illegalen Mitteln greift: gewalttätige Auseinandersetzungen, Viehdiebstahl, sabotieren der Pflanzungen und Brandlegung. Letztmals am 4. Februar dieses Jahres. Ganz zu Schweigen davon, dass die Firma auf dem umstrittenen Land auf insgesamt 300 ha bereits Palmen gepflanzt hat. Ich habe eingangs von einer Kurzversion gesprochen und bin versucht, noch die eine oder andere Episode dieser Endlosgeschichte hinzuzufügen. Ich belasse es vorerst mal dabei.
Buenos Aires ist ein kleiner Weiler, wo einige Kleinbauern leben, welche nach den Vertreibungen beschlossen haben, erst die Klärung der Besitzfrage abzuwarten und erst dann wieder ihre Finca in Las Pavas in aufzubauen. Der "retorno", die Rückkehr auf 's Land, ist derzeit das grosse Thema. Beide Parteien leben unter einfachsten, armen Bedingungen. Gleichwohl besteht ein erhebliches Gefälle zwischen dem Leben im Dorf bzw. auf der Parzelle. Auf dem Land ist keinerlei Infrastruktur vorhanden, ausser derjenigen, die man selber geschaffen hat. Der Weiler hingegen ist ans Stromnetz angeschlossen, hat einige Läden und- eine Schule. Die Sicherheitslage unterscheidet sich ebenfalls. Die Voraussetzungen für rege Diskussionen sind gegeben. Wir ziehen von Haus zu Haus, erkundigen uns bei den Führungspersonen der Kleinbauernorganisation ASOCAB nach dem aktuellen Stand des Prozesses und sicherheitsrelevanten Ereignissen. Zwei unterschiedliche Gesprächskulturen prallen aufeinander. Unsere Fragen werden selten direkt beantwortet. Manchmal kommt eine Antwort unerwartet eingebettet in eine Geschichte daher. Die Gespräche sind stets ein Gemisch aus Beziehungspflege, Gerüchten und Informationen. Die Unterscheidung, was in welche Kategorie gehört, ist nicht einfach. Es ist beruhigend zu sehen, dass Isaura da ebenfalls ihre Liebe Mühe hat, die Gespräche zu sortieren.
Luis zeigt uns zum Abschluss unseres Besuches sein Projekt auf der Finca, die er gemeinsam mit seinem Vater bewirtschaftet. Mangels Geld schaufeln die beiden von Hand einen Teich aus, welcher der Fischzucht dienen soll. Er wolle nicht auf den Tag X warten, bis alle rechtlichen Fragen geklärt und sie alle ungestört in Las Pavas leben können. Oder auf die Anschaffung eines Baggers warten, der vielleicht mal getätigt wird. Er habe seine Träume und diese wolle er zu verwirklichen versuchen, unabhängig davon, was die Zukunft bringen wird.
Szenenwechsel. Auf dem Rückweg fantasiert der Taxifahrer darüber, wie es wohl wäre, wenn das Coronavirus die politische Elite, allen voran den Präsidenten befallen und dieser folglich für unabsehbare Zeit in die Quarantäne gehen müsste. Es hörte sich amüsant an, aber er ist wütend und braucht sehr deutliche Worte. Er beschreibt, welche Bevölkerungsschicht am meisten betroffen und was das für das kolumbianische Gesundheitssystem bedeuten würde. Man könne nur hoffen, dass das Virus sich auf die "tierra fria" beschränke. Eine Hoffnung, die viel Einheimische haben.
Der Coronavirus ist hier noch kein grosses Thema. Wir kriegen aber selbstverständlich mit, was für Folgen das für Europa, für die Schweiz bis anhin gehabt hat. Beeindruckend.
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