Posts

Es werden Posts vom Januar, 2020 angezeigt.

Barrancabermeja, Magdalena Medio

Egal, wo im Lande man Barrancabermeja erwähnt, unweigerlich folgt darauf eine Bemerkung über die Hitze, die hier herrscht. Die Barranquenos sind stolz auf ihre Stadt und ihre Geschichte. Sie wird allerdings in keinem Touristenführer erwähnt, es gibt nichts, was Reisende hierherlocken könnte. Weder die Temperaturen kombiniert mit hoher Luftfeuchtigkeit noch irgendwelche  Sehenswürdigkeiten. Barranca spielt national eine wichtige Rolle bei der Erdölgewinnung und - verarbeitung. Die grössten Erdölraffinerien Kolumbiens sind hier angesiedelt und sie tragen nichts zur Steigerung der Attraktivität Barranca's bei. Aber- diese Stadt am Rio Magdalena hat eine ungeheuer lebendige Sozialgeschichte. Die Stadt und ihre Umgebung ist Symbol für zivilen Widerstand, von Gewerkschaftlern und Kleinbauern, Menschenrechts- und Frauenorganisationen, welche in jahrzehntelangen Prozessen versuchen, ihre Rechte einzufordern.  In Barranca haben über die Jahre sämtliche bewaffneten Akteure die Bevölke...

Bogota zum Dritten

Der zweite Aufenthalt in Bogota wurde zu einem kurzen Zwischenhalt. Regula war aus der Schweiz eingetroffen und wollte gleich am nächsten Tag mit Martha, unserer Gastgeberin, nach Barichara reisen. Ich schloss mich kurzerhand den Beiden an. Und so kam es, dass ich mich am Sonntagabend auf der Finca eines Bruders des Freundes einer Freundin (.....) wiederfand.  Still war es. Und warm. Und gepflegt. Die Stadt, die Umgebung, die Finca. Der Tuc-Tuc Fahrer, der uns aus der Stadt fuhr, erklärte uns, dass Barichara ein ruhiger Ort sei. Wirklich ruhig. "Ruhig" bezieht sich beinahe immer auf die Sicherheitslage. Man könne nachts den Sternenhimmel schauen. Kein Problem. Ein Ort, wo man sich vorstellen kann, von einer kreativen Eingebung erfasst zu werden, die einen den Rest seiner Tage erfüllen würde. Meine Zeit in Barichara war wohl zu kurz. Die Feiertage sind definitiv vorbei. In Bogota ist dies deutlich spürbar. Mehr Menschen, mehr Verkehr, mehr Betrieb. Meine Zeit als Touristin ist...

Ferien

Meine Feriendestination Uraba weckt in mir zahlreiche Erinnerungen. Keine davon ist positiv.  Uraba war in den 90er Jahren von den verschiedenen Kriegsparteien stark umkämpft. Hier wurden die berüchtigten Autodefensas Campesinas de Cordoba und Uraba ACCU der Gebrüder Castano gegründet. Hier waren die Guerrillas der EPL und der FARC vertreten. Und natürlich die offiziellen Streitkräfte, welche stets auch inoffiziell aktiv waren, will heißen außerhalb des Gesetzes agierten. Hier hat sich  San José de Apartado, zur Gemeinde des Friedens deklariert. Als fortan neutralen Ort hat sie sämtlichen Kriegsparteien verboten ihr Gemeindegebiet zu betreten. Diese Haltung wurde von keiner der Akteure respektiert. Als Kollaborateure der jeweils anderen Partei bezichtigt, wurde die Gemeinde immer wieder Schauplatz von Drohungen und Ermordungen. Das Friedensdorf widersetzt sich bis heute und zeichnet sich durch einen Mut aus, den zu beschreiben mir die Worte fehlen.  Kaum in Apartado angek...

Bogota

Es sind ruhige, unspektakuläre erste Tage in Bogota. Alltägliches steht an. Ich habe Zeit, mich eingehender mit den aktuellen Ereignissen im Land beschäftigen und die Stadt zu erkunden. Einzig der Ausländerausweis muss beantragt und eine Ferienreise geplant werden.  Für die knappen 10 Kilometer zum Einwanderungsbüro in den Norden der Stadt braucht der Bus bei günstigen Verkehrsbedingungen eine Stunde. Die Busse, natürlich alte oder sehr alte Dinger, verlangen dem Chauffeur alles ab. Da erleichtert keine Lenkhilfe noch Druckluftbremsen oder sonstige modernen technischen Hilfsmittel das Fahren. Unter vollem Körpereinsatz wird das Fahrzeug gelenkt, beschleunigt, gebremst und geöffnet. Der Einsatz überträgt sich auf den Bus: er knattert, quietscht und zittert. Ab 50kmh hat man das Gefühl zu fliegen, dermassen intensiv wird die Fortbewegung wahrgenommen. Das Verkehrsverhalten ist ein weiteres faszinierendes Thema, weil es andern Regeln, als den gewohnten folgt. Es scheint, als seien sic...

Ankunft in Bogota

Alles läuft wie am Schnürchen: pünktliche Ankunft, anstehen bei der Immigration, durchwinken beim Zoll und rein ins offizielle, gelbe Taxi. Der mittelaltrige Taxifahrer erläutert mir mit Begeisterung seine Welt. Jesus sei eine Frau gewesen. Die Leugnung dieser Tatsache trage viel zum schlechten Zustand dieser Welt bei. Und weiter geht s in diesem Stil, ohne Punkt und Komma. Bereits beginne ich mich zum ersten Mal zu fragen, ob ich diesen Wortschwall vor Jahren verstanden hätte. Ob meine Spanischkentnisse vor 24 Jahren, als ich zum ersten Mal längere Zeit in Kolumbien verbracht habe, soviel besser gewesen ist, als heute. Oder ob ich, wie jetzt,  dagesessen bin und hin und wieder freundlich genickt habe.  Es soll kein " Früher und Heute- Blog" werden, aber die Erfahrungen von damals (1996/97) dürften wohl ab und zu einfliessen. Sowohl auf persönlicher wie auch (später) auf beruflicher (=freiwilliger Tätigkeit) Ebene. Aber vorerst geht s immer noch Richtung Zentrum, zur Wohnung ...