Ankunft in Bogota
Alles läuft wie am Schnürchen: pünktliche Ankunft, anstehen bei der Immigration, durchwinken beim Zoll und rein ins offizielle, gelbe Taxi.
Der mittelaltrige Taxifahrer erläutert mir mit Begeisterung seine Welt. Jesus sei eine Frau gewesen. Die Leugnung dieser Tatsache trage viel zum schlechten Zustand dieser Welt bei. Und weiter geht s in diesem Stil, ohne Punkt und Komma. Bereits beginne ich mich zum ersten Mal zu fragen, ob ich diesen Wortschwall vor Jahren verstanden hätte. Ob meine Spanischkentnisse vor 24 Jahren, als ich zum ersten Mal längere Zeit in Kolumbien verbracht habe, soviel besser gewesen ist, als heute. Oder ob ich, wie jetzt, dagesessen bin und hin und wieder freundlich genickt habe.
Es soll kein " Früher und Heute- Blog" werden, aber die Erfahrungen von damals (1996/97) dürften wohl ab und zu einfliessen. Sowohl auf persönlicher wie auch (später) auf beruflicher (=freiwilliger Tätigkeit) Ebene.
Aber vorerst geht s immer noch Richtung Zentrum, zur Wohnung einer Freundin einer Freundin, die mich während meines Aufenthaltes in Bogota beherbergen wird. Meine Reise in den Norden wird die Nichte der Freundin organisieren und morgen wird der Freund der Freundin der Freundin mich auf s Einwanderungsamt begleiten.
So geht das. Irgend jemand wird mich stets begleiten (wollen), den es ist äusserst unkolumbianisch, jemanden alleine zu lassen.
Im Moment allerdings, da werde ich noch vom gesprächigen Taxifahrer begleitet, der vergessen hat, den Zähler einzuschalten, aber ich verlasse mich auf seine christliche Gesinnung. Er schliesst seinen Monolog damit, dass die Liebe sich durch das Handeln definiere und für einmal nicke ich ganz ungezwungen Einverständnis.
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